Kieffer
Kieffer: Herkunft und Bedeutung des Familiennamens
Kieffer ist der Name des Küfers, des Fassmachers, in den Mundarten von Elsass, Lothringen und Luxemburg. Wie der Name entstand, seine Varianten und welche Deutungen mit Vorsicht zu genießen sind.
- Küferdie Bedeutung von Kieffer im Elsass und in Lothringen
- Kéiferdas luxemburgische Wort, von dem der Name kommt
- Kufedas Wort für Bottich, auf dem Küfer beruht
Kieffer ist ein Berufsname. In den Mundarten zwischen Rhein und Mosel war der Kieffer der Küfer: der Handwerker, der Fässer, Bottiche und Zuber herstellte und reparierte. Die deutschsprachige Wikipedia bringt es knapp auf den Punkt: Kieffer ist „elsässisch für Küfer“. Auch der französische Namenforscher Jean Tosti ordnet den Namen, den man im Elsass und in Lothringen antrifft, dem Beruf des Küfers zu.
Von Küfer zu Kieffer
Das hochdeutsche Küfer ist von Kufe abgeleitet, einem Wort für Bottich oder Wanne. Die meisten ober- und mitteldeutschen Mundarten sprechen das gerundete ü als einfaches i aus. Sprachwissenschaftler nennen das Entrundung: Aus Schlüssel wird so Schlissel. Auf diese Weise wird Küfer zu Kiefer, und die örtlichen Namensformen zeigen, dass genau das zwischen Rhein und Mosel geschehen ist.
Luxemburg macht den Zusammenhang besonders deutlich. Die Forscher des Projekts „Luxemburgischer Familiennamenatlas“ der Universität Luxemburg führen den Namen Kieffer auf das luxemburgische Wort Kéifer zurück, den Küfer. In Luxemburg steht der Name also bis heute einem Alltagswort nahe.
Im Elsass, in Lothringen und in Luxemburg war ein Kieffer schlicht „der Küfer“.
Wie aus einem Beruf ein Name wird
Viele europäische Familiennamen gehen auf einen Beruf, eine Herkunft, den Vornamen des Vaters oder einen Übernamen zurück. Ein Berufsname bezeichnete zunächst eine einzelne Person: Hans, den Küfer. Über Generationen wurde er fest und an die Kinder weitergegeben, ganz gleich, welchen Beruf sie selbst ausübten.
Daraus folgt zweierlei:
- Es gibt nicht den einen Stammvater aller Kieffers. Küfer gab es in jeder Wein- und Brauerstadt, der Name entstand also an vielen Orten unabhängig voneinander. Zwei Familien Kieffer müssen nicht verwandt sein.
- Der Name verrät den Beruf eines Vorfahren vor Jahrhunderten, nicht den der späteren Generationen.
Schreibweisen und verwandte Namen
Dasselbe Wort ergab mehrere Schreibweisen. Man begegnet ihnen in derselben Familie, manchmal sogar im selben Kirchenbuch:
| Form | Wo sie typisch ist |
|---|---|
| Kieffer | Elsass, Lothringen, Luxemburg und ausgewanderte Familien |
| Kiefer | Deutschland und Elsass; zugleich das Wort für den Baum |
| Küfer, Kuefer, Küffer | Hochdeutsche Form und ihre Schreibung ohne Umlaut |
| Kiffer | Seltenerer elsässischer Name, auch in Frankreich belegt |
| Kéifer | Luxemburgisches Wort für den Küfer |
Küfer hatten auch andere Namen. Je nach Region sagte man Böttcher, Büttner, Binder oder Fassbinder oder auch Schäffler, und all das sind heute ebenfalls Familiennamen. Der Artikel über das Küferhandwerk stellt sie vor.
Andere Deutungen – und wie viel sie taugen
Manche Quellen nennen andere Erklärungen. Man sollte sie kennen, sie passen aber schlechter zu den Kieffers an Rhein und Mosel:
- Die Kiefer. Im Hochdeutschen bedeutet Kiefer auch den Baum (und den Kieferknochen). Ein Wohnstätten- oder Übername ist für manche Familien Kiefer in Deutschland denkbar. Er erklärt aber nicht, warum die elsässischen und luxemburgischen Formen genau wie das örtliche Wort für den Küfer klingen.
- Ein mürrischer Mann. Die französische Genealogie-Website Filae nennt einen Übernamen zu mittelhochdeutsch kiffen, „schelten“. Sie führt ihn neben der Bedeutung „Küfer“ an, die die oben genannten Fachquellen vertreten.
Ein „Kieffer-Wappen“ gibt es nicht
Websites und Läden verkaufen „das Familienwappen Kieffer“. Heraldische Behörden sind eindeutig: Es gibt kein Wappen für einen Familiennamen. Wie das englische College of Arms erklärt, gehört ein Wappen der bestimmten Person, der es verliehen wurde, und ihren Nachkommen. Viele Träger desselben Namens haben Anspruch auf völlig verschiedene Wappen oder auf gar keines. Ein für einen Namen verkauftes Wappen ist Dekoration, keine Familiengeschichte.
Quellen
- Jean Tosti, Dictionnaire des noms de famille, Artikel „Kieffer, Kiefer“
- Cristian Kollmann, „Alles Muller oder was? Aktuelle Studien zu den luxemburgischen Familiennamen“, forum Nr. 301, November 2010
- Wikipedia, „Kieffer“ (Familienname)
- Wikipedia, „Küfer“ (Beruf und regionale Bezeichnungen)
- Wikipedia, „Entrundung“
- Filae, „Nom de famille KIEFFER“
- Wikipedia (englisch), „Kiefer“ (Familienname)
- College of Arms, „FAQs: heraldry“