Kieffer
Kieffer und Kiefer: Baum oder Küfer?
Die Kiefer ist ein Nadelbaum. Das Digitale Familiennamenwörterbuch Deutschlands erklärt Kiefer und Kieffer trotzdem als Namen des Küfers. Warum der Baum in die Irre führt, mit Quellen.
- 8.027Telefonanschlüsse mit dem Namen Kiefer in Deutschland, 2005
- 75für Küfer, die hochdeutsche Schreibung desselben Wortes
- 15. Jh.seit wann Kiefer als Name des Baumes belegt ist
Die Kiefer ist ein Nadelbaum. Wer Kiefer oder Kieffer heißt, vermutet deshalb leicht, dass der erste Namensträger nach einer Kiefer benannt wurde. Die Fachleute sehen das anders: Das Digitale Familiennamenwörterbuch Deutschlands erklärt beide Namen als Namen des Küfers.
Eine Schreibung, drei Wörter
Im Hochdeutschen gibt es zwei geläufige Wörter, die Kiefer geschrieben werden und nichts miteinander zu tun haben:
- die Kiefer, der Baum. Der Name des Nadelbaums ist seit dem Anfang des 15. Jahrhunderts belegt. Das Etymologische Wörterbuch des Deutschen deutet ihn als verdunkelte Zusammensetzung aus Kien, dem harzreichen Kiefernholz, und Föhre, einem anderen Wort für die Kiefer. Landschaftliche Formen wie ostfränkisch Kinfir und böhmisch Kinfer lassen beide Teile noch erkennen.
- der Kiefer, der Knochen. Er geht auf mittelhochdeutsch kiver und kivel zurück, ein altes germanisches Wort.
Das dritte Wort ist kein Hochdeutsch. In den Mundarten Süd- und Mitteldeutschlands wird das gerundete ü als i gesprochen, und so wird Küfer zu Kiefer. Der Artikel über die Herkunft des Namens erklärt diesen Lautwandel, die Entrundung.
Ein Familienname Kiefer sieht also aus wie der Baum und klingt wie der Küfer.
Was das Familiennamenwörterbuch sagt
Das Digitale Familiennamenwörterbuch Deutschlands (DFD) ist ein Langzeitvorhaben der Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz, begonnen in Kooperation mit der Technischen Universität Darmstadt und der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Es bearbeitet die heute in Deutschland vorkommenden Familiennamen, die häufigsten zuerst. Seine Artikel zu Kiefer und Kieffer, verfasst von Rita Heuser, sagen Folgendes:
- Hauptbedeutung: der Küfer. Kiefer ist ein Berufsname. Er ist Küfer mit zu i entrundetem ü.
- In Einzelfällen: ein Zänker. Manche Familien Kiefer können auf einen Übernamen für einen streitsüchtigen Menschen zurückgehen, zu mittelhochdeutsch kīven, kīben oder kifen, „scheltend zanken, keifen“.
- Weitgehend auszuschließen: ein niederdeutscher Übername. Eine ältere Deutung zu mittelniederdeutsch kiver, „Zänker, Streiter“, passt nicht zur Verbreitung des Namens.
- Kieffer ist eine Laut- oder Schreibvariante von Kiefer, mit denselben Bedeutungen.
Der Baum kommt in keinem der beiden Artikel vor, nicht einmal als seltene Möglichkeit.
Die Mundartform hat sich durchgesetzt
Das Wörterbuch stützt seine Zahlen auf das deutsche Telefonverzeichnis von 2005. Telefonanschlüsse zählen Haushalte mit Festnetz, nicht Personen, aber sie zeigen die Verhältnisse gut:
| Name | Telefonanschlüsse in Deutschland, 2005 |
|---|---|
| Kiefer | 8.027 |
| Kieffer | 212 |
| Küfer | 75 |
Kiefer steht auf Rang 267 der Familiennamen in Deutschland, die hochdeutsche Schreibung Küfer ist dagegen selten. Der Name folgte der gesprochenen Sprache, nicht der Schreibung, die sich im Hochdeutschen durchsetzte. Kieffer mit Doppel-f ist in Deutschland selten: Es ist die übliche Schreibung im Département Moselle, im Elsass und in Luxemburg, wie der Artikel über die Verbreitung des Namens zeigt.
Warum der Baum immer wieder genannt wird
Die heutige Bedeutung eines Wortes findet man zuerst, und das Mundartwort für den Küfer fehlt in den meisten Wörterbüchern. Nachschlagewerke gehen dann vom Baum aus. Die englischsprachige Wikipedia etwa beginnt ihre Seite zum Familiennamen Kiefer mit „jaw“ (Kiefer) und „pine tree“ (Kiefer, der Baum) und nennt den Küfer nur als Möglichkeit, mit dem Hinweis, dass ein Beleg fehlt.
Außerhalb Deutschlands ist der Küfer ebenso klar. Der französische Genealoge Jean Tosti verbindet Kieffer und Kiefer mit dem Küferhandwerk im Elsass und in Lothringen, und die Forscher des Luxemburgischen Familiennamenatlas führen Kieffer auf das luxemburgische Wort Kéifer zurück, den Küfer. Filae nennt außerdem einen Übernamen für einen mürrischen Mann, der zur zweiten, selteneren Bedeutung im DFD passt.
Was das für Ihre Familie bedeutet
Das Wörterbuch beschreibt, was für alle Kiefers und Kieffers zusammen am wahrscheinlichsten ist. Welche Deutung für eine bestimmte Familie gilt, kann es nicht sagen. Im Elsass, in Lothringen und in Luxemburg, wo der Küfer selbst Kieffer oder Kéifer hieß, liegt der Beruf am nächsten. Für die eigene Linie sind die Kirchenbücher der eigentliche Beleg: Der Leitfaden zur Ahnenforschung zeigt, wo man sie findet.
Quellen
- Rita Heuser, „Kiefer“, in: Digitales Familiennamenwörterbuch Deutschlands (DFD)
- Rita Heuser, „Kieffer“, in: Digitales Familiennamenwörterbuch Deutschlands (DFD)
- Rita Heuser, „Küfer“, in: Digitales Familiennamenwörterbuch Deutschlands (DFD)
- Digitales Familiennamenwörterbuch Deutschlands, „Projektvorstellung“ (Träger des Wörterbuchs und Herkunft der Zahlen)
- Wolfgang Pfeifer u. a., Etymologisches Wörterbuch des Deutschen, Einträge „Kiefer“ (Knochen) und „Kiefer“ (Baum), über das DWDS
- Wikipedia, „Entrundung“
- Wikipedia (englisch), „Kiefer“ (Familienname)
- Jean Tosti, Dictionnaire des noms de famille, Artikel „Kieffer, Kiefer“
- Cristian Kollmann, „Alles Muller oder was? Aktuelle Studien zu den luxemburgischen Familiennamen“, forum Nr. 301, November 2010
- Filae, „Nom de famille KIEFFER“